Masters-Triathlet ab 40: VO2max-Rückgang, Regeneration und optimale Trainingsanpassung

Was sich physiologisch ab 40 verändert, was nicht und wie du dein Training gezielt anpasst — ohne Leistung zu opfern.
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Masters-Athleten sind die am schnellsten wachsende Gruppe im Ausdauersport. Trotzdem basiert ein Großteil der Trainingsliteratur auf Daten junger Athleten. Dieser Artikel erklärt, was sich physiologisch ab 40 tatsächlich verändert — und liefert konkrete, evidenzbasierte Strategien, um diesen Veränderungen trainingstechnisch zu begegnen.

Das Wichtigste in Kürze

• VO2max sinkt ab 35 um ca. 1 % pro Jahr — bei regelmäßig trainierenden Athleten nachweislich langsamer als bei Inaktiven; ein Teil des Rückgangs ist durch Training umkehrbar.• Sarkopenie beginnt schleichend ab 40 und kann ohne Krafttraining zu 1 % Muskelmasseverlust pro Jahr führen — mit direkten Auswirkungen auf Laufökonomie und Verletzungsrisiko.• Regenerationszeit verlängert sich: weniger IGF-1, schlechtere Schlafqualität, veränderte Entzündungsregulation erfordern mehr Easy Days zwischen harten Einheiten.• Testosteron (Männer) und Östrogen (Frauen) sinken ab 40 spürbar — regelmäßige Blutbildkontrollen ab 45 sind sinnvoll, um trainingslimitierende Hormonveränderungen zu erkennen.• Realistische Zielsetzung ist möglich: Viele Masters-Athleten erzielen ihre besten Ironman-Zeiten nach dem 40. Lebensjahr — mit richtigem Training und smarter Periodisierung.

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Alter und VO2max: Was sich wirklich verändert

Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) gilt als wichtigster Prädiktor für Ausdauerleistung. Ab dem 30. bis 35. Lebensjahr sinkt sie um ca. 1 % pro Jahr — bei inaktiven Personen schneller, bei trainierten Athleten deutlich langsamer.[1]

Die Mechanismen des alterungsbedingten VO2max-Rückgangs sind vielschichtig:

  • Sinkende maximale Herzfrequenz: Ca. 1 Schlag/min pro Lebensjahr. Weniger Herzfrequenzreserve bedeutet weniger kardiales Auswurfvolumen bei Maximalbelastung.
  • Verändertes Schlagvolumen: Linksventrikuläre Compliance nimmt ab — das Herz füllt sich weniger effizient.
  • Reduzierte periphere Sauerstoffextraktion: Mitochondriendichte in der Muskulatur sinkt, wenn kein Ausdauerreiz gesetzt wird.

Entscheidend ist: Ein erheblicher Teil dieses Rückgangs ist trainingsbedingt vermeidbar. Studien an Masters-Ausdauersportlern zeigen, dass die VO2max von regelmäßig Trainierenden nach dem 60. Lebensjahr noch auf dem Niveau von untrainierten 40-Jährigen liegt.[2]

Masters-Athleten verlieren VO2max langsamer als Inaktive — und können durch gezieltes Training einen Teil des Verlusts rückgängig machen. Hochintensitätsintervalle bleiben auch ab 50 ein wirksames Mittel zur VO2max-Erhaltung.

Sarkopenie: Der stille Leistungsräuber

Sarkopenie beschreibt den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und -funktion. Der Prozess beginnt bereits ab dem 35. Lebensjahr und beschleunigt sich nach dem 60. Lebensjahr ohne Gegenmaßnahmen.[3]

Für Ausdauersportler sind die Konsequenzen besonders relevant:

  • Reduzierte Laufökonomie durch veränderte Kraftübertragung und Biomechanik
  • Höheres Verletzungsrisiko durch geschwächte Muskelkorsette um Gelenke
  • Geringere Pufferkapazität für Laktat durch reduzierte Muskelmasse
  • Eingeschränkte neuromuskuläre Koordination bei Ermüdung

Die einzige wirksame Gegenmaßnahme ist Krafttraining — mit ausreichend Intensität (≥70 % des 1-Wiederholungsmaximums). Ausdauertraining allein verhindert Sarkopenie nicht. Zwei bis drei Krafteinheiten pro Woche mit Fokus auf Grundübungen (Kniebeugen, Kreuzheben, Einbeinübungen) sollten für Masters-Athleten nicht verhandelbar sein.[4]

Verlängerte Regeneration: Ursachen und Konsequenzen

Masters-Athleten brauchen nach harten Einheiten länger zur Erholung. Das ist keine Einbildung — die Mechanismen sind gut verstanden:[5]

  • Reduziertes IGF-1: Insulin-like Growth Factor 1 ist entscheidend für Muskelreparatur und -aufbau. Sein Spiegel sinkt mit dem Alter deutlich.
  • Schlechtere Schlafqualität: Der Anteil an Tiefschlaf (SWS) nimmt ab — in dieser Phase findet der Großteil der Wachstumshormonausschüttung statt.
  • Veränderte Entzündungsregulation: Chronisch erhöhte Entzündungsmarker (Inflammaging) verlangsamen die Gewebereparatur.
  • Reduzierte Glykogensyntheserate: Kohlenhydratnachladung dauert nach intensiven Einheiten länger.

Praktische Konsequenz: Zwischen zwei harten Einheiten (Tempodauerläufe, Intervalle, intensive Radeinheiten) sollten Masters-Athleten mindestens 48–72 Stunden einplanen — statt 24–36 Stunden wie bei jüngeren Athleten. Das bedeutet nicht weniger Trainingsvolumen, sondern eine Verschiebung hin zu mehr ruhigen Grundlageneinheiten zwischen den Qualitätseinheiten.

Trainingsanpassungen: Smart statt weniger

Masters-Training bedeutet nicht automatisch weniger intensiv oder weniger Volumen. Es bedeutet: bessere Verteilung und gezieltere Erholung.[6]

Mehr Easy Days

Das polarisierte Trainingsmodell (ca. 80 % der Einheiten im niedrigen Intensitätsbereich, ca. 20 % im hohen) eignet sich für Masters-Athleten besonders gut. Es maximiert das Qualitätsniveau der harten Einheiten und minimiert kumulative Ermüdung.

Qualität der HIT-Einheiten priorisieren

Lieber 3 × 8 Minuten wirklich intensiv laufen als 5 × 8 Minuten mit 10 % zu viel Ermüdung. Harte Einheiten, bei denen Technik und Intensität aufgrund von Akkumulationsermüdung einbrechen, bringen wenig Trainingsreiz und erhöhen das Verletzungsrisiko.

Periodisierung mit längeren Regenerationswochen

Statt 3:1-Perioden (3 Wochen Belastung, 1 Woche Erholung) bewährt sich bei vielen Masters-Athleten ein 2:1-Modell. Individuelle Anpassung nach Schlafqualität, Herzfrequenzvariabilität (HRV) und subjektivem Befinden ist sinnvoll.

Hormonstatus ab 40: Testosteron und Östrogen

Testosteron bei Männern sinkt ab etwa 35–40 Jahren um ca. 1–2 % pro Jahr. Klinisch relevanter Hypogonadismus (Testosteron <12 nmol/l mit Symptomen) betrifft einen Teil der Masters-Athleten — häufiger bei chronisch hohem Trainingsvolumen, Schlafmangel und unzureichender Kalorienzufuhr.[7]

Bei Frauen beginnt die Perimenopause typischerweise Mitte bis Ende 40. Der Östrogenverlust hat direkte Auswirkungen auf Knochendichte, Körperzusammensetzung und Thermoregulation — Themen, die im Hub-Pillar und im Menopause-Artikel vertieft werden.

Für beide Geschlechter gilt: Symptome wie anhaltende Erschöpfung, Libidoverlust, depressive Verstimmung, stagnierende Leistung trotz adäquatem Training und häufige Infekte können auf hormonelle Veränderungen hinweisen. Labordiagnostik schafft Klarheit.

Wann medizinische Kontrolle sinnvoll ist

Ab 40 — spätestens ab 45 — sollte eine sportmedizinische Basisuntersuchung zur regelmäßigen Routine gehören:[8]

  • EKG und Ergometrie: Ausschluss von Rhythmusstörungen und koronarer Herzerkrankung, die in dieser Altersgruppe häufiger auftreten.
  • Blutbild inkl. Hormone: Testosteron (Männer), Östrogen/FSH (Frauen), TSH, Ferritin, Vitamin D, CRP, Hämoglobin.
  • DEXA-Scan: Knochendichtemessung — besonders relevant für Frauen in der Perimenopause und für Athleten mit Verdacht auf RED-S oder häufige Stressfrakturen.
  • Kardiovaskuläre Risikostratifikation: Ab 45 jährlich, da das absolute Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auch bei trainierten Athleten steigt.

Realistische Ziele und Erfolgsbeispiele

Masters-Triathletik ist kein Rückzugsgefecht — sie ist oft die leistungsstärkste Phase eines Athletenlebens. Viele Ausdauersportler laufen ihre persönliche Bestzeit im Ironman oder Marathon nach dem 40. Lebensjahr, weil sie in dieser Lebensphase erstmals mit strukturiertem Training und ausreichend Schlaf und Regeneration trainieren.

Realistische Erwartungen helfen: VO2max wird etwas sinken, Regeneration braucht etwas länger, die Wettkampfhäufigkeit sollte angepasst werden. Aber Leistungsfähigkeit, Freude am Sport und Gesundheit können bis ins hohe Alter erhalten bleiben — wenn das Training intelligent gestaltet wird.

Trainingsplanung für Masters konkret

Plane pro Woche 2 Qualitätseinheiten (z. B. 1 Intervalltraining, 1 Tempodauerlauf) und fülle den Rest mit ruhigen Grundlageneinheiten. Ergänze 2 Krafttrainingseinheiten à 45 Minuten. Zwischen den harten Einheiten mindestens 48 Stunden Abstand einhalten. HRV-Tracking (z. B. mit Garmin, Polar oder WHOOP) kann helfen, Regenerationsstatus objektiv zu messen.

Achtung bei Übertraining ab 40

Übertrainingssyndrom entwickelt sich bei Masters-Athleten schneller als bei jüngeren — weil Regenerationspuffer kleiner sind. Warnsignale: anhaltende Leistungsstagnation, Schlafstörungen, erhöhte Ruheherzfrequenz, Reizbarkeit und häufige Infekte. Ein erzwungenes 2-Wochen-Entlastungsblock ist dann wirksamer als weiteres Training.

Was bedeutet Sarkopenie?

Sarkopenie bezeichnet den altersbedingten, progressiven Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und Muskelleistung. Sie ist nicht unvermeidlich: Krafttraining kann den Prozess nicht nur verlangsamen, sondern teilweise umkehren. Die WHO hat Sarkopenie 2016 als eigenständige Erkrankung klassifiziert — sie ist kein normaler Alterungsprozess, sondern ein vermeidbarer.

Philip Stapmanns

Philip is a sports medicine physician at Charité, a DOSB C-level triathlon coach, and an avid amateur triathlete himself. Together with Simon, he founded Enduure to support endurance athletes on their journey through the sport. He has completed several IRONMAN 70.3 races in under 4 hours 30 minutes, competed at the IRONMAN 70.3 World Championship in Taupō (New Zealand), and finished Challenge Roth in under 10 hours. ⸻

Quellen

Tanaka, H., & Seals, D. R. (2008). Endurance exercise performance in Masters athletes: age-associated changes and underlying physiological mechanisms. Journal of Physiology, 586(1), 55–63.Fitzgerald, M. D., Tanaka, H., Tran, Z. V., & Seals, D. R. (1997). Age-related declines in maximal aerobic capacity in regularly exercising vs. sedentary women. Journal of Applied Physiology, 83(1), 160–165.Doherty, T. J. (2003). Invited review: aging and sarcopenia. Journal of Applied Physiology, 95(4), 1717–1727.Lauersen, J. B., Andersen, T. E., & Andersen, L. B. (2018). Strength training as superior, dose-dependent and safe prevention of acute and overuse sports injuries. British Journal of Sports Medicine, 52(24), 1557–1563.Vina, J., Sanchis-Gomar, F., Martinez-Bello, V., & Gomez-Cabrera, M. C. (2012). Exercise acts as a drug: the pharmacological benefits of exercise. British Journal of Pharmacology, 167(1), 1–12.Seiler, S. (2010). What is best practice for training intensity and duration distribution in endurance athletes? International Journal of Sports Physiology and Performance, 5(3), 276–291.Vermeulen, A., Goemaere, S., & Kaufman, J. M. (1999). Testosterone, body composition and aging. Journal of Endocrinological Investigation, 22(5 Suppl), 110–116.Maron, B. J., Araújo, C. G., Thompson, P. D., et al. (2001). Recommendations for preparticipation screening and the assessment of cardiovascular disease in masters athletes. Circulation, 103(2), 327–334.Wilson, T. M., & Tanaka, H. (2000). Meta-analysis of the age-associated decline in maximal aerobic capacity in men. American Journal of Physiology — Heart and Circulatory Physiology, 278(3), H829–H834.

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"We founded Enduure to support endurance athletes with science-backed training, smart performance analysis, and a strong, motivating community. Together, we grow, achieve peak performance, and redefine the sport — this is our mission." - Simon & Philip

Simon

Simon is a professional triathlete competing in the Bundesliga for Team Berlin. He is also a sports scientist and certified sports nutrition consultant.

Philip

Philip is a physician, a DOSB C-level Triathlon Coach, and an ambitious amateur competitor across various triathlon distances.

Zwei junge Männer in Sportbekleidung laufen auf einer Straße vor einer grünen Hecke, einer trägt ein weißes Shirt und blaue Shorts, der andere ein schwarzes Outfit.

Masters-Triathlet ab 40: VO2max-Rückgang, Regeneration und optimale Trainingsanpassung

Was sich physiologisch ab 40 verändert, was nicht und wie du dein Training gezielt anpasst &mdash; ohne Leistung zu opfern.
Aktualisiert am
18.5.2026
2026-05-18 11:18 pm
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Masters-Athleten sind die am schnellsten wachsende Gruppe im Ausdauersport. Trotzdem basiert ein Großteil der Trainingsliteratur auf Daten junger Athleten. Dieser Artikel erklärt, was sich physiologisch ab 40 tatsächlich verändert — und liefert konkrete, evidenzbasierte Strategien, um diesen Veränderungen trainingstechnisch zu begegnen.

Das Wichtigste in Kürze

• VO2max sinkt ab 35 um ca. 1 % pro Jahr — bei regelmäßig trainierenden Athleten nachweislich langsamer als bei Inaktiven; ein Teil des Rückgangs ist durch Training umkehrbar.• Sarkopenie beginnt schleichend ab 40 und kann ohne Krafttraining zu 1 % Muskelmasseverlust pro Jahr führen — mit direkten Auswirkungen auf Laufökonomie und Verletzungsrisiko.• Regenerationszeit verlängert sich: weniger IGF-1, schlechtere Schlafqualität, veränderte Entzündungsregulation erfordern mehr Easy Days zwischen harten Einheiten.• Testosteron (Männer) und Östrogen (Frauen) sinken ab 40 spürbar — regelmäßige Blutbildkontrollen ab 45 sind sinnvoll, um trainingslimitierende Hormonveränderungen zu erkennen.• Realistische Zielsetzung ist möglich: Viele Masters-Athleten erzielen ihre besten Ironman-Zeiten nach dem 40. Lebensjahr — mit richtigem Training und smarter Periodisierung.

Alter und VO2max: Was sich wirklich verändert

Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) gilt als wichtigster Prädiktor für Ausdauerleistung. Ab dem 30. bis 35. Lebensjahr sinkt sie um ca. 1 % pro Jahr — bei inaktiven Personen schneller, bei trainierten Athleten deutlich langsamer.[1]

Die Mechanismen des alterungsbedingten VO2max-Rückgangs sind vielschichtig:

  • Sinkende maximale Herzfrequenz: Ca. 1 Schlag/min pro Lebensjahr. Weniger Herzfrequenzreserve bedeutet weniger kardiales Auswurfvolumen bei Maximalbelastung.
  • Verändertes Schlagvolumen: Linksventrikuläre Compliance nimmt ab — das Herz füllt sich weniger effizient.
  • Reduzierte periphere Sauerstoffextraktion: Mitochondriendichte in der Muskulatur sinkt, wenn kein Ausdauerreiz gesetzt wird.

Entscheidend ist: Ein erheblicher Teil dieses Rückgangs ist trainingsbedingt vermeidbar. Studien an Masters-Ausdauersportlern zeigen, dass die VO2max von regelmäßig Trainierenden nach dem 60. Lebensjahr noch auf dem Niveau von untrainierten 40-Jährigen liegt.[2]

Masters-Athleten verlieren VO2max langsamer als Inaktive — und können durch gezieltes Training einen Teil des Verlusts rückgängig machen. Hochintensitätsintervalle bleiben auch ab 50 ein wirksames Mittel zur VO2max-Erhaltung.

Sarkopenie: Der stille Leistungsräuber

Sarkopenie beschreibt den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und -funktion. Der Prozess beginnt bereits ab dem 35. Lebensjahr und beschleunigt sich nach dem 60. Lebensjahr ohne Gegenmaßnahmen.[3]

Für Ausdauersportler sind die Konsequenzen besonders relevant:

  • Reduzierte Laufökonomie durch veränderte Kraftübertragung und Biomechanik
  • Höheres Verletzungsrisiko durch geschwächte Muskelkorsette um Gelenke
  • Geringere Pufferkapazität für Laktat durch reduzierte Muskelmasse
  • Eingeschränkte neuromuskuläre Koordination bei Ermüdung

Die einzige wirksame Gegenmaßnahme ist Krafttraining — mit ausreichend Intensität (≥70 % des 1-Wiederholungsmaximums). Ausdauertraining allein verhindert Sarkopenie nicht. Zwei bis drei Krafteinheiten pro Woche mit Fokus auf Grundübungen (Kniebeugen, Kreuzheben, Einbeinübungen) sollten für Masters-Athleten nicht verhandelbar sein.[4]

Verlängerte Regeneration: Ursachen und Konsequenzen

Masters-Athleten brauchen nach harten Einheiten länger zur Erholung. Das ist keine Einbildung — die Mechanismen sind gut verstanden:[5]

  • Reduziertes IGF-1: Insulin-like Growth Factor 1 ist entscheidend für Muskelreparatur und -aufbau. Sein Spiegel sinkt mit dem Alter deutlich.
  • Schlechtere Schlafqualität: Der Anteil an Tiefschlaf (SWS) nimmt ab — in dieser Phase findet der Großteil der Wachstumshormonausschüttung statt.
  • Veränderte Entzündungsregulation: Chronisch erhöhte Entzündungsmarker (Inflammaging) verlangsamen die Gewebereparatur.
  • Reduzierte Glykogensyntheserate: Kohlenhydratnachladung dauert nach intensiven Einheiten länger.

Praktische Konsequenz: Zwischen zwei harten Einheiten (Tempodauerläufe, Intervalle, intensive Radeinheiten) sollten Masters-Athleten mindestens 48–72 Stunden einplanen — statt 24–36 Stunden wie bei jüngeren Athleten. Das bedeutet nicht weniger Trainingsvolumen, sondern eine Verschiebung hin zu mehr ruhigen Grundlageneinheiten zwischen den Qualitätseinheiten.

Trainingsanpassungen: Smart statt weniger

Masters-Training bedeutet nicht automatisch weniger intensiv oder weniger Volumen. Es bedeutet: bessere Verteilung und gezieltere Erholung.[6]

Mehr Easy Days

Das polarisierte Trainingsmodell (ca. 80 % der Einheiten im niedrigen Intensitätsbereich, ca. 20 % im hohen) eignet sich für Masters-Athleten besonders gut. Es maximiert das Qualitätsniveau der harten Einheiten und minimiert kumulative Ermüdung.

Qualität der HIT-Einheiten priorisieren

Lieber 3 × 8 Minuten wirklich intensiv laufen als 5 × 8 Minuten mit 10 % zu viel Ermüdung. Harte Einheiten, bei denen Technik und Intensität aufgrund von Akkumulationsermüdung einbrechen, bringen wenig Trainingsreiz und erhöhen das Verletzungsrisiko.

Periodisierung mit längeren Regenerationswochen

Statt 3:1-Perioden (3 Wochen Belastung, 1 Woche Erholung) bewährt sich bei vielen Masters-Athleten ein 2:1-Modell. Individuelle Anpassung nach Schlafqualität, Herzfrequenzvariabilität (HRV) und subjektivem Befinden ist sinnvoll.

Hormonstatus ab 40: Testosteron und Östrogen

Testosteron bei Männern sinkt ab etwa 35–40 Jahren um ca. 1–2 % pro Jahr. Klinisch relevanter Hypogonadismus (Testosteron <12 nmol/l mit Symptomen) betrifft einen Teil der Masters-Athleten — häufiger bei chronisch hohem Trainingsvolumen, Schlafmangel und unzureichender Kalorienzufuhr.[7]

Bei Frauen beginnt die Perimenopause typischerweise Mitte bis Ende 40. Der Östrogenverlust hat direkte Auswirkungen auf Knochendichte, Körperzusammensetzung und Thermoregulation — Themen, die im Hub-Pillar und im Menopause-Artikel vertieft werden.

Für beide Geschlechter gilt: Symptome wie anhaltende Erschöpfung, Libidoverlust, depressive Verstimmung, stagnierende Leistung trotz adäquatem Training und häufige Infekte können auf hormonelle Veränderungen hinweisen. Labordiagnostik schafft Klarheit.

Wann medizinische Kontrolle sinnvoll ist

Ab 40 — spätestens ab 45 — sollte eine sportmedizinische Basisuntersuchung zur regelmäßigen Routine gehören:[8]

  • EKG und Ergometrie: Ausschluss von Rhythmusstörungen und koronarer Herzerkrankung, die in dieser Altersgruppe häufiger auftreten.
  • Blutbild inkl. Hormone: Testosteron (Männer), Östrogen/FSH (Frauen), TSH, Ferritin, Vitamin D, CRP, Hämoglobin.
  • DEXA-Scan: Knochendichtemessung — besonders relevant für Frauen in der Perimenopause und für Athleten mit Verdacht auf RED-S oder häufige Stressfrakturen.
  • Kardiovaskuläre Risikostratifikation: Ab 45 jährlich, da das absolute Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auch bei trainierten Athleten steigt.

Realistische Ziele und Erfolgsbeispiele

Masters-Triathletik ist kein Rückzugsgefecht — sie ist oft die leistungsstärkste Phase eines Athletenlebens. Viele Ausdauersportler laufen ihre persönliche Bestzeit im Ironman oder Marathon nach dem 40. Lebensjahr, weil sie in dieser Lebensphase erstmals mit strukturiertem Training und ausreichend Schlaf und Regeneration trainieren.

Realistische Erwartungen helfen: VO2max wird etwas sinken, Regeneration braucht etwas länger, die Wettkampfhäufigkeit sollte angepasst werden. Aber Leistungsfähigkeit, Freude am Sport und Gesundheit können bis ins hohe Alter erhalten bleiben — wenn das Training intelligent gestaltet wird.

Trainingsplanung für Masters konkret

Plane pro Woche 2 Qualitätseinheiten (z. B. 1 Intervalltraining, 1 Tempodauerlauf) und fülle den Rest mit ruhigen Grundlageneinheiten. Ergänze 2 Krafttrainingseinheiten à 45 Minuten. Zwischen den harten Einheiten mindestens 48 Stunden Abstand einhalten. HRV-Tracking (z. B. mit Garmin, Polar oder WHOOP) kann helfen, Regenerationsstatus objektiv zu messen.

Achtung bei Übertraining ab 40

Übertrainingssyndrom entwickelt sich bei Masters-Athleten schneller als bei jüngeren — weil Regenerationspuffer kleiner sind. Warnsignale: anhaltende Leistungsstagnation, Schlafstörungen, erhöhte Ruheherzfrequenz, Reizbarkeit und häufige Infekte. Ein erzwungenes 2-Wochen-Entlastungsblock ist dann wirksamer als weiteres Training.

Was bedeutet Sarkopenie?

Sarkopenie bezeichnet den altersbedingten, progressiven Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und Muskelleistung. Sie ist nicht unvermeidlich: Krafttraining kann den Prozess nicht nur verlangsamen, sondern teilweise umkehren. Die WHO hat Sarkopenie 2016 als eigenständige Erkrankung klassifiziert — sie ist kein normaler Alterungsprozess, sondern ein vermeidbarer.

Philip Stapmanns

Philip is a sports medicine physician at Charité, a DOSB C-level triathlon coach, and an avid amateur triathlete himself. Together with Simon, he founded Enduure to support endurance athletes on their journey through the sport. He has completed several IRONMAN 70.3 races in under 4 hours 30 minutes, competed at the IRONMAN 70.3 World Championship in Taupō (New Zealand), and finished Challenge Roth in under 10 hours. ⸻

Quellen

Tanaka, H., & Seals, D. R. (2008). Endurance exercise performance in Masters athletes: age-associated changes and underlying physiological mechanisms. Journal of Physiology, 586(1), 55–63.Fitzgerald, M. D., Tanaka, H., Tran, Z. V., & Seals, D. R. (1997). Age-related declines in maximal aerobic capacity in regularly exercising vs. sedentary women. Journal of Applied Physiology, 83(1), 160–165.Doherty, T. J. (2003). Invited review: aging and sarcopenia. Journal of Applied Physiology, 95(4), 1717–1727.Lauersen, J. B., Andersen, T. E., & Andersen, L. B. (2018). Strength training as superior, dose-dependent and safe prevention of acute and overuse sports injuries. British Journal of Sports Medicine, 52(24), 1557–1563.Vina, J., Sanchis-Gomar, F., Martinez-Bello, V., & Gomez-Cabrera, M. C. (2012). Exercise acts as a drug: the pharmacological benefits of exercise. British Journal of Pharmacology, 167(1), 1–12.Seiler, S. (2010). What is best practice for training intensity and duration distribution in endurance athletes? International Journal of Sports Physiology and Performance, 5(3), 276–291.Vermeulen, A., Goemaere, S., & Kaufman, J. M. (1999). Testosterone, body composition and aging. Journal of Endocrinological Investigation, 22(5 Suppl), 110–116.Maron, B. J., Araújo, C. G., Thompson, P. D., et al. (2001). Recommendations for preparticipation screening and the assessment of cardiovascular disease in masters athletes. Circulation, 103(2), 327–334.Wilson, T. M., & Tanaka, H. (2000). Meta-analysis of the age-associated decline in maximal aerobic capacity in men. American Journal of Physiology — Heart and Circulatory Physiology, 278(3), H829–H834.

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