Menstruationszyklus und Training: Was die Forschung zur Leistung und Verletzungsrisiko zeigt

Follikelphase oder Lutealphase — wann ist dein Körper für welches Training bereit, und was zeigt die Forschung wirklich?
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Zyklusbasiertes Training ist eines der meistdiskutierten Themen im Frauensport — aber auch eines der am häufigsten missverstandenen. Zwischen übervereinfachten App-Empfehlungen und echter sportwissenschaftlicher Evidenz liegt eine erhebliche Lücke. Dieser Artikel schließt sie: mit dem, was wirklich belegt ist, was plausibel ist und was schlicht Spekulation bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

• Der Menstruationszyklus verändert Östrogen, Progesteron und verwandte Hormone erheblich — mit potenziellen Auswirkungen auf Kraft, Ausdauer, Thermoregulation und Verletzungsrisiko.• Das ACL-Verletzungsrisiko ist um den Ovulationszeitpunkt erhöht — Östrogen erhöht die Ligamentlaxität; die absolute Risikoerhöhung ist real, aber moderat.• In der Lutealphase steigt die Basaltemperatur um 0,3–0,5 °C — Hitzetraining und -wettkämpfe werden subjektiv schwerer; die Kerntemperatur reagiert früher.• Kraft- und Ausdauerleistung variieren zyklusabhängig — aber die Evidenz ist heterogen und interindividuelle Unterschiede überwiegen phasenbedingte Effekte.• Individuelle Zyklustracking-Apps können nützlich sein, sollten aber durch strukturiertes Monitoring ergänzt werden — nicht als Ersatz für Trainingssteuerung, sondern als Kontextvariable.

Gemini & Claude: Prompt wird in die Zwischenablage kopiert. Einfach in das Chat-Fenster einfügen (⌘V / Strg+V).

Die 4 Zyklusphasen und ihre hormonellen Profile

Der Menstruationszyklus dauert im Durchschnitt 28 Tage (Normbereich: 21–35 Tage) und lässt sich in vier Phasen unterteilen, die durch unterschiedliche Hormonspiegel geprägt sind:[1]

  • Menstruation (Tag 1–5): Östrogen und Progesteron sind niedrig. Viele Frauen berichten von erhöhter Erschöpfung und Schmerzempfindlichkeit. Intensives Training ist möglich, erfordert aber ggf. mehr Rücksicht auf subjektives Befinden.
  • Follikelphase (Tag 1–13): Östrogen steigt progressiv an. Progesteron bleibt niedrig. Viele Athletinnen berichten von höherer Energie, besserer Stimmung und Belastungstoleranz.
  • Ovulation (Tag 13–15): LH-Gipfel, kurzer Östrogen-Peak. Hormonell günstig für intensive Belastungen — aber auch das Zeitfenster mit höchster Ligamentlaxität.
  • Lutealphase (Tag 15–28): Progesteron dominiert. Die Basaltemperatur steigt. Subjektive Belastungswahrnehmung steigt, Thermoregulation ist eingeschränkt. Manche Frauen berichten von erhöhtem Hungergefühl und Schlafstörungen.

ACL-Verletzungsrisiko: Östrogen und Ligamentlaxität

Das anteriore Kreuzband (ACL) trägt Östrogenrezeptoren. Bei steigendem Östrogen — insbesondere im periovulatorischen Fenster — nimmt die Ligamentlaxität zu. Mehrere prospektive Studien haben gezeigt, dass das ACL-Verletzungsrisiko bei Frauen in dieser Zyklusphase erhöht ist.[2]

Was bedeutet das praktisch? Präventivtraining (neuromuskuläre Kontrolle, Landungsmechanik, Hüftstabilisation) sollte konsistent über den gesamten Zyklus durchgeführt werden — nicht nur in der Ovulationsphase. Die Evidenz rechtfertigt keine Trainingsabsage, aber eine erhöhte Aufmerksamkeit für Bewegungsqualität in diesem Zeitfenster.

Periovulatorisches ACL-Risiko ist real — aber gutes Präventivtraining reduziert es auf ein Niveau, das mit männlichen Athleten vergleichbar ist. Trainingsvermeidung ist keine sinnvolle Strategie.

Thermoregulation in der Lutealphase

Progesteron erhöht den hypothalamischen Temperatur-Sollwert. Die Basaltemperatur steigt in der Lutealphase um durchschnittlich 0,3–0,5 °C. Für Athletinnen hat das konkrete Konsequenzen:[3]

  • Der Schweiß-Einsatzschwellenwert ist erhöht — der Körper beginnt später zu schwitzen
  • Die Hautdurchblutung setzt zur Kühlung ebenfalls verzögert ein
  • Das Plasmavolumen ist in der Lutealphase tendenziell geringer
  • Bei Hitzerennen oder intensiven Sommereinheiten kann das zu früherem Hitzestress führen

Praktische Anpassungen: In der Lutealphase bei Hitzetraining früher mit Kühlung beginnen, Flüssigkeitszufuhr erhöhen und die Intensität ggf. herzfrequenzgesteuert reduzieren statt nach Pace oder Leistung zu steuern.

Kraft- und Schnelligkeitsleistung im Zyklus: Was die Daten wirklich zeigen

Hier ist Vorsicht geboten. Populärwissenschaftliche Artikel kommunizieren oft, dass die Follikelphase die „Power-Phase” ist und die Lutealphase die „Erholungsphase”. Die tatsächliche Evidenzlage ist deutlich heterogener.[4]

Ein systematisches Review aus 2020 (McNulty et al., Sports Medicine) analysierte 78 Studien: Es fand einen kleinen, statistisch signifikanten Vorteil für Kraftleistungen in der Follikelphase — aber die Effektgröße war gering und die Studienqualität variierte erheblich. Wichtiger: Die interindividuelle Variabilität übertraf die phasenbedingten Effekte bei weitem. Einige Athletinnen zeigen keinerlei Zykluseffekt, andere stark ausgeprägte.[5]

Das bedeutet: Generalisierte Trainingsempfehlungen nach Zyklusphase sind für den Einzelfall oft nicht valide. Individuelles Monitoring ist wertvoller.

Schmerz- und Erschöpfungstoleranz

Östrogen hat analgetische Eigenschaften — niedrige Östrogenspiegel (Menstruation, frühe Follikelphase) können mit niedrigerer Schmerzschwelle assoziiert sein. Progesteron beeinflusst die Schlafarchitektur und kann zu fragmentierterem Schlaf in der Lutealphase führen.[6]

Für Athletinnen, die unter starker Dysmenorrhö leiden, kann die Menstruation tatsächlich eine Trainingseinschränkung darstellen — nicht als Schwäche, sondern als physiologisches Phänomen. NSAIDs können bei klinisch relevanter Dysmenorrhö helfen, sollten aber nicht dauerhaft zum Trainingsalltag werden. Hier ist sportmedizinische Beratung sinnvoll.

Praktisches Zyklusmonitoring für Athletinnen

Zyklustracking-Apps wie Clue, Natural Cycles oder spezialisierte Athletinnen-Apps (z. B. FitrWoman) können als Kontextvariable nützlich sein — sie ersetzen aber keine strukturierte Trainingssteuerung. Ein pragmatischer Ansatz:[7]

  • Schritt 1: Zykluslänge und -regelmäßigkeit über 3 Monate tracken. Unregelmäßigkeiten sind ein frühes Warnsignal für RED-S oder hormonelle Störungen.
  • Schritt 2: Subjektives Befinden, Schlafqualität und Trainingsbelastung parallel dokumentieren — nicht nur die Zyklusphase.
  • Schritt 3: Muster erkennen: Gibt es individuelle Phasen mit konsistent besserer oder schlechterer Erholung? Diese Daten sind wertvoller als generalisierte Phasenempfehlungen.
  • Schritt 4: Trainingsplanung flexibel anpassen — harte Key-Sessions zu subjektiv guten Phasen legen, wenn der Trainingsplan es erlaubt. Starre Anpassungen sind aber selten notwendig.

Was wirklich belegt ist — und was Trend ist

Gut belegt: Erhöhte Ligamentlaxität periovulatorisch, Thermoregulationsveränderungen in der Lutealphase, Schlafveränderungen durch Progesteron, Bedeutung der Energieverfügbarkeit für Zyklusregularität.

Plausibel, aber inkonsistente Evidenz: Leistungsschwankungen nach Zyklusphase (zu heterogen für pauschale Empfehlungen), optimale Krafttraining-Periodisierung nach Zyklus.

Übertrieben oder schlecht belegt: Strikte Phasenpläne aus App-Empfehlungen ohne individuelle Anpassung, Empfehlung, in der Lutealphase grundsätzlich auf intensive Einheiten zu verzichten.

Die ehrlichste Aussage der Wissenschaft lautet: Lern deinen eigenen Zyklus kennen, bevor du generalisierte Ratschläge übernimmst.

Zyklusmonitoring einfach starten

Nutze ein einfaches Notizbuch oder eine App (z. B. FitrWoman) und notiere täglich: Zyklusphase, subjektive Energie (1–10), Schlafqualität und Trainingsbelastung. Nach 2–3 Monaten erkennst du persönliche Muster, die weit wertvoller sind als generalisierte Phasenempfehlungen. Regelmäßige Menstruation ist ein Gesundheitsindikator — Ausbleiben immer ärztlich abklären lassen.

Achtung bei Zyklusverlust

Ausbleibende Menstruation (Amenorrhö) bei Ausdauersportlerinnen ist kein Zeichen von Fitness — es ist ein medizinisches Warnsignal. Funktionelle hypothalamische Amenorrhö kann auf Knochenschwund und Hormonstörungen hindeuten, die langfristige Folgen haben. Bitte konsultiere immer eine sportmedizinisch erfahrene Gynäkologin oder einen Sportmediziner.

Was ist Ligamentlaxität?

Ligamentlaxität bezeichnet die erhöhte Dehnbarkeit von Bändern. Östrogen bindet an Rezeptoren im Bindegewebe und verändert die Kollagenstruktur vorübergehend. Das macht Gelenke kurzfristig beweglicher, aber auch anfälliger für Scherkräfte — besonders relevant für das vordere Kreuzband bei Sprüngen und Richtungswechseln.

Philip Stapmanns

Philip is a sports medicine physician at Charité, a DOSB C-level triathlon coach, and an avid amateur triathlete himself. Together with Simon, he founded Enduure to support endurance athletes on their journey through the sport. He has completed several IRONMAN 70.3 races in under 4 hours 30 minutes, competed at the IRONMAN 70.3 World Championship in Taupō (New Zealand), and finished Challenge Roth in under 10 hours. ⸻

Quellen

Sung, E., Han, A., Hinrichs, T., et al. (2014). Effects of follicular versus luteal phase-based strength training in young women. SpringerPlus, 3, 668.Hewett, T. E., Myer, G. D., & Ford, K. R. (2006). Anterior cruciate ligament injuries in female athletes: Part 1, mechanisms and risk factors. The American Journal of Sports Medicine, 34(2), 299–311.Charkoudian, N., & Stachenfeld, N. (2014). Reproductive hormone influences on thermoregulation in women. Comprehensive Physiology, 4(2), 793–804.McNulty, K. L., Elliott-Sale, K. J., Dolan, E., et al. (2020). The effects of menstrual cycle phase on exercise performance in eumenorrheic women. Sports Medicine, 50(10), 1813–1827.Sims, S. T., & Heather, A. K. (2018). Myths and methodologies: the effect of the menstrual cycle and oral contraceptives on acute responses and chronic adaptations to exercise. Experimental Physiology, 103(10), 1309–1317.Baker, F. C., & Driver, H. S. (2007). Circadian rhythms, sleep, and the menstrual cycle. Sleep Medicine, 8(6), 613–622.Bruinvels, G., Burden, R., Brown, N., et al. (2016). The prevalence and impact of heavy menstrual bleeding (menorrhagia) in elite and non-elite athletes. PLoS One, 11(2), e0149881.Williams, N. I., Statuta, S. M., & Austin, A. (2017). Female athlete triad: future directions for energy availability and eating disorder research and practice. Clinics in Sports Medicine, 36(4), 671–686.Mountjoy, M., Sundgot-Borgen, J., Burke, L., et al. (2018). IOC consensus statement on relative energy deficiency in sport (RED-S). British Journal of Sports Medicine, 52(11), 687–697.

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"We founded Enduure to support endurance athletes with science-backed training, smart performance analysis, and a strong, motivating community. Together, we grow, achieve peak performance, and redefine the sport — this is our mission." - Simon & Philip

Simon

Simon is a professional triathlete competing in the Bundesliga for Team Berlin. He is also a sports scientist and certified sports nutrition consultant.

Philip

Philip is a physician, a DOSB C-level Triathlon Coach, and an ambitious amateur competitor across various triathlon distances.

Zwei junge Männer in Sportbekleidung laufen auf einer Straße vor einer grünen Hecke, einer trägt ein weißes Shirt und blaue Shorts, der andere ein schwarzes Outfit.

Menstruationszyklus und Training: Was die Forschung zur Leistung und Verletzungsrisiko zeigt

Follikelphase oder Lutealphase — wann ist dein Körper für welches Training bereit, und was zeigt die Forschung wirklich?
Aktualisiert am
18.5.2026
2026-05-18 11:18 pm
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Zyklusbasiertes Training ist eines der meistdiskutierten Themen im Frauensport — aber auch eines der am häufigsten missverstandenen. Zwischen übervereinfachten App-Empfehlungen und echter sportwissenschaftlicher Evidenz liegt eine erhebliche Lücke. Dieser Artikel schließt sie: mit dem, was wirklich belegt ist, was plausibel ist und was schlicht Spekulation bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

• Der Menstruationszyklus verändert Östrogen, Progesteron und verwandte Hormone erheblich — mit potenziellen Auswirkungen auf Kraft, Ausdauer, Thermoregulation und Verletzungsrisiko.• Das ACL-Verletzungsrisiko ist um den Ovulationszeitpunkt erhöht — Östrogen erhöht die Ligamentlaxität; die absolute Risikoerhöhung ist real, aber moderat.• In der Lutealphase steigt die Basaltemperatur um 0,3–0,5 °C — Hitzetraining und -wettkämpfe werden subjektiv schwerer; die Kerntemperatur reagiert früher.• Kraft- und Ausdauerleistung variieren zyklusabhängig — aber die Evidenz ist heterogen und interindividuelle Unterschiede überwiegen phasenbedingte Effekte.• Individuelle Zyklustracking-Apps können nützlich sein, sollten aber durch strukturiertes Monitoring ergänzt werden — nicht als Ersatz für Trainingssteuerung, sondern als Kontextvariable.

Die 4 Zyklusphasen und ihre hormonellen Profile

Der Menstruationszyklus dauert im Durchschnitt 28 Tage (Normbereich: 21–35 Tage) und lässt sich in vier Phasen unterteilen, die durch unterschiedliche Hormonspiegel geprägt sind:[1]

  • Menstruation (Tag 1–5): Östrogen und Progesteron sind niedrig. Viele Frauen berichten von erhöhter Erschöpfung und Schmerzempfindlichkeit. Intensives Training ist möglich, erfordert aber ggf. mehr Rücksicht auf subjektives Befinden.
  • Follikelphase (Tag 1–13): Östrogen steigt progressiv an. Progesteron bleibt niedrig. Viele Athletinnen berichten von höherer Energie, besserer Stimmung und Belastungstoleranz.
  • Ovulation (Tag 13–15): LH-Gipfel, kurzer Östrogen-Peak. Hormonell günstig für intensive Belastungen — aber auch das Zeitfenster mit höchster Ligamentlaxität.
  • Lutealphase (Tag 15–28): Progesteron dominiert. Die Basaltemperatur steigt. Subjektive Belastungswahrnehmung steigt, Thermoregulation ist eingeschränkt. Manche Frauen berichten von erhöhtem Hungergefühl und Schlafstörungen.

ACL-Verletzungsrisiko: Östrogen und Ligamentlaxität

Das anteriore Kreuzband (ACL) trägt Östrogenrezeptoren. Bei steigendem Östrogen — insbesondere im periovulatorischen Fenster — nimmt die Ligamentlaxität zu. Mehrere prospektive Studien haben gezeigt, dass das ACL-Verletzungsrisiko bei Frauen in dieser Zyklusphase erhöht ist.[2]

Was bedeutet das praktisch? Präventivtraining (neuromuskuläre Kontrolle, Landungsmechanik, Hüftstabilisation) sollte konsistent über den gesamten Zyklus durchgeführt werden — nicht nur in der Ovulationsphase. Die Evidenz rechtfertigt keine Trainingsabsage, aber eine erhöhte Aufmerksamkeit für Bewegungsqualität in diesem Zeitfenster.

Periovulatorisches ACL-Risiko ist real — aber gutes Präventivtraining reduziert es auf ein Niveau, das mit männlichen Athleten vergleichbar ist. Trainingsvermeidung ist keine sinnvolle Strategie.

Thermoregulation in der Lutealphase

Progesteron erhöht den hypothalamischen Temperatur-Sollwert. Die Basaltemperatur steigt in der Lutealphase um durchschnittlich 0,3–0,5 °C. Für Athletinnen hat das konkrete Konsequenzen:[3]

  • Der Schweiß-Einsatzschwellenwert ist erhöht — der Körper beginnt später zu schwitzen
  • Die Hautdurchblutung setzt zur Kühlung ebenfalls verzögert ein
  • Das Plasmavolumen ist in der Lutealphase tendenziell geringer
  • Bei Hitzerennen oder intensiven Sommereinheiten kann das zu früherem Hitzestress führen

Praktische Anpassungen: In der Lutealphase bei Hitzetraining früher mit Kühlung beginnen, Flüssigkeitszufuhr erhöhen und die Intensität ggf. herzfrequenzgesteuert reduzieren statt nach Pace oder Leistung zu steuern.

Kraft- und Schnelligkeitsleistung im Zyklus: Was die Daten wirklich zeigen

Hier ist Vorsicht geboten. Populärwissenschaftliche Artikel kommunizieren oft, dass die Follikelphase die „Power-Phase” ist und die Lutealphase die „Erholungsphase”. Die tatsächliche Evidenzlage ist deutlich heterogener.[4]

Ein systematisches Review aus 2020 (McNulty et al., Sports Medicine) analysierte 78 Studien: Es fand einen kleinen, statistisch signifikanten Vorteil für Kraftleistungen in der Follikelphase — aber die Effektgröße war gering und die Studienqualität variierte erheblich. Wichtiger: Die interindividuelle Variabilität übertraf die phasenbedingten Effekte bei weitem. Einige Athletinnen zeigen keinerlei Zykluseffekt, andere stark ausgeprägte.[5]

Das bedeutet: Generalisierte Trainingsempfehlungen nach Zyklusphase sind für den Einzelfall oft nicht valide. Individuelles Monitoring ist wertvoller.

Schmerz- und Erschöpfungstoleranz

Östrogen hat analgetische Eigenschaften — niedrige Östrogenspiegel (Menstruation, frühe Follikelphase) können mit niedrigerer Schmerzschwelle assoziiert sein. Progesteron beeinflusst die Schlafarchitektur und kann zu fragmentierterem Schlaf in der Lutealphase führen.[6]

Für Athletinnen, die unter starker Dysmenorrhö leiden, kann die Menstruation tatsächlich eine Trainingseinschränkung darstellen — nicht als Schwäche, sondern als physiologisches Phänomen. NSAIDs können bei klinisch relevanter Dysmenorrhö helfen, sollten aber nicht dauerhaft zum Trainingsalltag werden. Hier ist sportmedizinische Beratung sinnvoll.

Praktisches Zyklusmonitoring für Athletinnen

Zyklustracking-Apps wie Clue, Natural Cycles oder spezialisierte Athletinnen-Apps (z. B. FitrWoman) können als Kontextvariable nützlich sein — sie ersetzen aber keine strukturierte Trainingssteuerung. Ein pragmatischer Ansatz:[7]

  • Schritt 1: Zykluslänge und -regelmäßigkeit über 3 Monate tracken. Unregelmäßigkeiten sind ein frühes Warnsignal für RED-S oder hormonelle Störungen.
  • Schritt 2: Subjektives Befinden, Schlafqualität und Trainingsbelastung parallel dokumentieren — nicht nur die Zyklusphase.
  • Schritt 3: Muster erkennen: Gibt es individuelle Phasen mit konsistent besserer oder schlechterer Erholung? Diese Daten sind wertvoller als generalisierte Phasenempfehlungen.
  • Schritt 4: Trainingsplanung flexibel anpassen — harte Key-Sessions zu subjektiv guten Phasen legen, wenn der Trainingsplan es erlaubt. Starre Anpassungen sind aber selten notwendig.

Was wirklich belegt ist — und was Trend ist

Gut belegt: Erhöhte Ligamentlaxität periovulatorisch, Thermoregulationsveränderungen in der Lutealphase, Schlafveränderungen durch Progesteron, Bedeutung der Energieverfügbarkeit für Zyklusregularität.

Plausibel, aber inkonsistente Evidenz: Leistungsschwankungen nach Zyklusphase (zu heterogen für pauschale Empfehlungen), optimale Krafttraining-Periodisierung nach Zyklus.

Übertrieben oder schlecht belegt: Strikte Phasenpläne aus App-Empfehlungen ohne individuelle Anpassung, Empfehlung, in der Lutealphase grundsätzlich auf intensive Einheiten zu verzichten.

Die ehrlichste Aussage der Wissenschaft lautet: Lern deinen eigenen Zyklus kennen, bevor du generalisierte Ratschläge übernimmst.

Zyklusmonitoring einfach starten

Nutze ein einfaches Notizbuch oder eine App (z. B. FitrWoman) und notiere täglich: Zyklusphase, subjektive Energie (1–10), Schlafqualität und Trainingsbelastung. Nach 2–3 Monaten erkennst du persönliche Muster, die weit wertvoller sind als generalisierte Phasenempfehlungen. Regelmäßige Menstruation ist ein Gesundheitsindikator — Ausbleiben immer ärztlich abklären lassen.

Achtung bei Zyklusverlust

Ausbleibende Menstruation (Amenorrhö) bei Ausdauersportlerinnen ist kein Zeichen von Fitness — es ist ein medizinisches Warnsignal. Funktionelle hypothalamische Amenorrhö kann auf Knochenschwund und Hormonstörungen hindeuten, die langfristige Folgen haben. Bitte konsultiere immer eine sportmedizinisch erfahrene Gynäkologin oder einen Sportmediziner.

Was ist Ligamentlaxität?

Ligamentlaxität bezeichnet die erhöhte Dehnbarkeit von Bändern. Östrogen bindet an Rezeptoren im Bindegewebe und verändert die Kollagenstruktur vorübergehend. Das macht Gelenke kurzfristig beweglicher, aber auch anfälliger für Scherkräfte — besonders relevant für das vordere Kreuzband bei Sprüngen und Richtungswechseln.

Philip Stapmanns

Philip is a sports medicine physician at Charité, a DOSB C-level triathlon coach, and an avid amateur triathlete himself. Together with Simon, he founded Enduure to support endurance athletes on their journey through the sport. He has completed several IRONMAN 70.3 races in under 4 hours 30 minutes, competed at the IRONMAN 70.3 World Championship in Taupō (New Zealand), and finished Challenge Roth in under 10 hours. ⸻

Quellen

Sung, E., Han, A., Hinrichs, T., et al. (2014). Effects of follicular versus luteal phase-based strength training in young women. SpringerPlus, 3, 668.Hewett, T. E., Myer, G. D., & Ford, K. R. (2006). Anterior cruciate ligament injuries in female athletes: Part 1, mechanisms and risk factors. The American Journal of Sports Medicine, 34(2), 299–311.Charkoudian, N., & Stachenfeld, N. (2014). Reproductive hormone influences on thermoregulation in women. Comprehensive Physiology, 4(2), 793–804.McNulty, K. L., Elliott-Sale, K. J., Dolan, E., et al. (2020). The effects of menstrual cycle phase on exercise performance in eumenorrheic women. Sports Medicine, 50(10), 1813–1827.Sims, S. T., & Heather, A. K. (2018). Myths and methodologies: the effect of the menstrual cycle and oral contraceptives on acute responses and chronic adaptations to exercise. Experimental Physiology, 103(10), 1309–1317.Baker, F. C., & Driver, H. S. (2007). Circadian rhythms, sleep, and the menstrual cycle. Sleep Medicine, 8(6), 613–622.Bruinvels, G., Burden, R., Brown, N., et al. (2016). The prevalence and impact of heavy menstrual bleeding (menorrhagia) in elite and non-elite athletes. PLoS One, 11(2), e0149881.Williams, N. I., Statuta, S. M., & Austin, A. (2017). Female athlete triad: future directions for energy availability and eating disorder research and practice. Clinics in Sports Medicine, 36(4), 671–686.Mountjoy, M., Sundgot-Borgen, J., Burke, L., et al. (2018). IOC consensus statement on relative energy deficiency in sport (RED-S). British Journal of Sports Medicine, 52(11), 687–697.

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