Zone 2 Training: Was die Forschung über niedrige Intensität wirklich sagt

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07.08.2026
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Du liest, dass Zone 2 die Basis für jede gute Ausdauerleistung ist. Gleichzeitig postet ein Trainingspartner seine Schwellenintervalle und wird schneller. Du fragst dich: Verschwende ich gerade Zeit mit lockerem Training, während andere richtig hart arbeiten?

Diese Frage stellen sich aktuell tausende Ausdauersportler:innen in Foren und Kommentarspalten. Die Antwort ist differenzierter, als beide Lager es gern hätten. Wir schauen uns an, was die Forschung tatsächlich zeigt, wo die neue Kritik an Zone 2 berechtigt ist, und was das für dein Training bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zone 2 ist keine Wunderformel, aber die tragende Säule langfristiger Ausdauerentwicklung
  • Die Definition von Zone 2 ist uneinheitlicher, als der Hype vermuten lässt
  • Weltklasse-Athlet:innen steigern ihr Volumen fast nur über mehr Zone 2, nicht mehr Intervalle
  • HIIT ist zeiteffizienter, Zone 2 liefert bei ausreichendem Volumen vergleichbare Ergebnisse
  • Aktuelle Kritik an Zone 2 zielt auf Gesundheitsclaims für Untrainierte, nicht auf Leistungssport
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Was ist Zone 2 Training, und warum ist die Definition selbst umstritten

Klassische Kennwerte

In der Praxis hat sich eine Kombination aus vier Kennwerten durchgesetzt, mit denen du Zone 2 im Training erkennst: eine Herzfrequenz von 60 bis 75 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz, ein Laktatwert unter 2 mmol/L, ein subjektives Belastungsempfinden (RPE) von 3 bis 4 auf einer Skala von 10, und die Fähigkeit, dich währenddessen in ganzen Sätzen zu unterhalten. Das ist keine Studienlage, sondern eine über Jahrzehnte gewachsene Praxis-Faustregel, die sich in Coaching und Trainerausbildung bewährt hat. Für die tägliche Trainingssteuerung reicht sie aus: Wenn du beim Laufen oder Radfahren noch flüssig sprechen kannst, ohne nach Luft zu schnappen, bist du in der Regel im richtigen Bereich.

Warum „Zone 2“ kein einheitlich definierter physiologischer Begriff ist

Was in der Praxis simpel klingt, ist physiologisch weniger eindeutig, als die meisten Athlet:innen annehmen. Seiler-Viken et al. (2025) haben in Scientific Reports 778 Ausdauer-Praktiker:innen befragt, wie sie Trainingszonen definieren und einteilen. Ergebnis: Das norwegische 5-Zonen-Modell ist zwar das weltweit am weitesten verbreitete Rahmenwerk, aber die konkreten Grenzwerte, die als „Zone 2“ gelten, unterscheiden sich deutlich, je nachdem, welche Sportart und welche Region befragt wurde. Ein norwegischer Radprofi zieht die Grenze woanders als ein deutscher Hobbyläufer, und selbst innerhalb einer Sportart weichen die Systeme je nach Land oder Trainerschule voneinander ab. Wer von Radsport auf Laufen umsteigt und die gleichen prozentualen Grenzwerte übernimmt, trainiert deshalb häufig in der falschen Zone, ohne es zu merken. Heißt: Wenn du im Internet auf widersprüchliche Zone-2-Angaben stößt, liegt das nicht daran, dass du etwas falsch verstehst. Es gibt schlicht keine einheitliche physiologische Definition, auf die sich die Sportwissenschaft geeinigt hätte. Für deine Trainingssteuerung ändert das wenig, du orientierst dich an den vier Kennwerten oben, aber es lohnt sich, das im Kopf zu behalten, bevor du dich in Zonen-Grenzwert-Diskussionen verlierst, die keine klare Antwort haben.


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Was die Forschung zu Zone 2 vs. HIIT für VO2max wirklich zeigt

Die zentrale Frage, die viele stagnierende Athlet:innen umtreibt: Bringt niedrige Intensität überhaupt genug, oder sollte ich einfach härter trainieren? Crowley et al. (2022) haben in Translational Sports Medicine ein Overview von 11 systematischen Reviews und Meta-Analysen mit 179 Primärstudien erstellt. Die Kernaussage: Training verbessert VO2max, deine maximale Sauerstoffaufnahme und damit ein zentraler Marker deiner Ausdauerleistungsfähigkeit, bei praktisch jeder Intensität. Einige der eingeschlossenen Meta-Analysen fanden kleine bis moderate Vorteile für HIIT gegenüber Training bei niedriger Intensität. Entscheidend ist aber, wodurch dieser Unterschied moderiert wird: durch den Trainingsimpuls, also die Kombination aus Dauer und Intensität, nicht durch die Intensität allein. Ein kurzes, hartes Intervall und eine lange, lockere Einheit können denselben kumulativen Reiz auf dein Herz-Kreislauf-System setzen, nur über unterschiedliche Wege dorthin: das eine über eine hohe Schlagfrequenz und einen starken zentralen Reiz, das andere über die schiere Dauer der Belastung.

Zwei weitere Arbeiten liefern Kontext dazu, warum das relevant ist. Liu et al. (2022) haben in Medicine and Science in Sports and Exercise eine Meta-Analyse über 57 Studien zur Kapillarisierung durchgeführt, also zur Dichte der kleinen Blutgefäße, die deine Muskulatur mit Sauerstoff versorgen. Bei untrainierten Personen erhöhten moderate kontinuierliche Belastung (+21 Prozent) und HIIT (+54 Prozent) die Kapillarisierung deutlich stärker als niedrige Intensität. Bei bereits trainierten Personen verschwand dieser zusätzliche Effekt jedoch komplett, unabhängig davon, welche Trainingsart eingesetzt wurde. Talsnes et al. (2022) untersuchten in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 51 Junioren-Langläufer:innen und Biathlet:innen, was passiert, wenn man das Volumen bei niedriger versus hoher Intensität erhöht. Ergebnis: ähnliche Leistungsverbesserungen bei beiden Ansätzen, aber ein erhöhtes HIT-Volumen brachte signifikant bessere VO2max-Adaptationen.

Was heißt das für dich? Der eigentliche Vorteil von HIIT liegt in der Zeiteffizienz, nicht in einer grundsätzlich höheren Wirksamkeit für die VO2max. Bei ausreichendem Trainingsvolumen gleicht sich der Unterschied stark an, besonders wenn du bereits trainiert bist und nicht bei null anfängst. Das ist eine wichtige Unterscheidung: Die Studienlage zu Einsteiger:innen lässt sich nicht 1:1 auf ambitionierte Athlet:innen mit jahrelanger Trainingshistorie übertragen.

Warum Zone 2 langfristig den Unterschied macht

Die überzeugendsten Argumente für Zone 2 kommen nicht aus Kurzzeitstudien, sondern aus der Beobachtung von Weltklasseathlet:innen über Jahre hinweg. Walther et al. (2023) haben in Frontiers in Physiology die Trainingshistorie von 17 Weltklasse-Langläufer:innen retrospektiv analysiert, vom Junioren- bis ins Seniorenalter. Das bemerkenswerte Ergebnis: Die Trainingsintensitätsverteilung blieb über die gesamte Karriere fast konstant, im Juniorenalter lag der Anteil niedrig- und mittelintensiven Trainings bei 91 Prozent, im Seniorenalter bei 92 Prozent. Der Volumenzuwachs von 35 Prozent über die Jahre kam primär durch mehr niedrig- und mittelintensives Training zustande, nicht durch mehr hochintensive Einheiten. Diese Athlet:innen haben ihre Karriere also nicht mit immer mehr Intervallen ausgebaut, sondern mit einer immer größeren aeroben Basis, auf der die gleiche, relativ konstante Menge an hartem Training aufsetzte.

Strepp et al. (2024) haben das in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 33 ausdauertrainierten Athlet:innen aus einer anderen Richtung beleuchtet, mit einer wichtigen Nuance. Sie testeten einen 7-tägigen HIIT-Schock-Mikrozyklus, einmal mit und einmal ohne zusätzliches niedrigintensives Training. Bei der VO2max gab es keinen Unterschied, aber beide Gruppen verbesserten ihre 5-km-Zeit um rund 2,5 Prozent und ihre Laktatschwellen-Geschwindigkeit in ähnlichem Ausmaß. Zusätzliches Zone-2-Volumen während einer intensiven Trainingswoche brachte in diesem kurzen Zeitfenster also keinen messbaren Bonus. Diese kurzfristige Nuance und die Langzeitbeobachtung schließen sich nicht aus, sie beantworten unterschiedliche Fragen: In der einzelnen intensiven Woche zählt die Intensität selbst, über Jahre hinweg zählt das kumulierte Volumen bei niedriger Intensität. Mehr Zone-2-Kilometer, nicht mehr Intervalle, ist über eine Karriere hinweg der Haupttreiber der Leistungsentwicklung.

Die Gegenposition: Was die aktuelle Kritik an Zone 2 wirklich sagt

2025 hat ein Narrative Review für Diskussion gesorgt, das häufig verkürzt wiedergegeben wird. Storoschuk et al. (2025) hinterfragen in Sports Medicine unter dem Titel „Much Ado About Zone 2“ die pauschale öffentliche Empfehlung, Zone 2 Training verbessere Mitochondrien- und Fettstoffwechselkapazität sowie kardiometabolische Gesundheit. Die Autor:innen argumentieren, dass höhere Trainingsintensitäten für diese Anpassungen wichtiger sind, besonders wenn nur wenig Trainingsvolumen zur Verfügung steht. Das Review richtet sich damit an Menschen, die aktuell drei Einheiten pro Woche schaffen und überlegen, ob sie diese Zeit lieber locker oder lieber intensiv verbringen sollen, nicht an Athlet:innen, die bereits ein Grundlagenvolumen von mehreren Stunden pro Woche aufgebaut haben.

Hier ist die Einordnung, die in der öffentlichen Diskussion meistens fehlt: Diese Kritik zielt auf Gesundheits-Empfehlungen für untrainierte oder wenig trainierte Menschen zur Krankheitsprävention. Sie zielt nicht auf die Trainingssteuerung für ambitionierte Ausdauerathlet:innen mit hohem Trainingsvolumen, also das Thema der vorherigen Abschnitte. Das sind zwei unterschiedliche Fragen. Die eine lautet: Was ist die beste Einzelintensität bei begrenztem Zeitbudget für die allgemeine Gesundheit? Die andere lautet: Wie verteile ich ein hohes Trainingsvolumen für maximale Ausdauerleistung? Wenn du drei- bis viermal pro Woche trainierst und primär Krankheitsprävention im Blick hast, ist ein höherer Intensitätsanteil naheliegend, das legen Storoschuk et al. (2025) nahe. Wenn du wie die Weltklasse-Langläufer:innen aus Walther et al. (2023) acht bis zwölf Trainingseinheiten pro Woche absolvierst und Wettkampfleistung dein Ziel ist, gilt eine andere Rechnung. Für die meisten stagnierenden Ausdauerathlet:innen, die viel trainieren und trotzdem nicht vorankommen, ist die zweite Frage die relevante, nicht die erste.


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Polarisiert vs. pyramidal: was die neuesten Meta-Analysen zeigen

Wenn die Verteilung zwischen niedriger und hoher Intensität geklärt ist, bleibt die Frage nach dem mittleren Bereich, Zone 3. Zwei aktuelle Arbeiten liefern dazu ein differenziertes Bild. Rosenblat et al. (2025) haben in Sports Medicine eine Individual-Participant-Data-Netzwerk-Meta-Analyse über 13 Studien mit 348 Athlet:innen durchgeführt. Ergebnis: kein genereller Unterschied zwischen polarisiertem und pyramidalem Modell bei VO2max oder Zeitfahrleistung. Das Leistungsniveau moderiert den Effekt, kompetitive Athlet:innen profitieren eher vom polarisierten Modell, Freizeitathlet:innen eher vom pyramidalen, zumindest bei der VO2max-Anpassung.

Silva Oliveira et al. (2024) kommen in einer Systematic Review mit Meta-Analyse über 17 Studien und 437 Teilnehmenden zu einem ähnlich differenzierten Bild. Polarisiertes Training war überlegen bei VO2peak, aber nur bei kürzeren Interventionen unter 12 Wochen und bei bereits hochtrainierten Athlet:innen. Bei Zeitfahrleistung, Time-to-exhaustion und Schwellenleistung fand sich hingegen kein Unterschied zu anderen Modellen. Kein Modell ist also pauschal überlegen, die Antwort hängt von deinem Leistungsniveau und dem Zeithorizont ab, über den du das Modell betrachtest.


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Wann HIIT die bessere Wahl ist

Zeitknappheit ist das stärkste Argument für HIIT, und genau das trifft dich als Athlet:in mit Job und Familie direkt. Aus Crowley et al. (2022) lässt sich eine klare Neu-Einordnung ableiten: Wer wenig Trainingszeit zur Verfügung hat, profitiert überproportional von hoher Intensität, weil der Trainingsimpuls pro Zeiteinheit größer ist. Zwei intensive Einheiten von je 30 bis 40 Minuten pro Woche erzeugen einen relevanten Reiz, den du mit Zone-2-Training in vergleichbarer Zeit nicht erreichst.

Wer hingegen mehr Volumen investieren kann, sechs bis zehn Stunden pro Woche, erzielt mit einem hohen Zone-2-Anteil vergleichbare oder sogar bessere Ergebnisse, bei deutlich geringerem Verletzungs- und Übertrainingsrisiko. Die Entscheidung hängt also vor allem von deinem verfügbaren Zeitbudget ab, weniger von einem grundsätzlichen Besser-oder-schlechter. Wenn du objektiv wenig Zeit hast, ist ein höherer HIIT-Anteil eine vernünftige Anpassung. Wenn du das Volumen aufbringen kannst, das ambitionierte Wettkampfziele erfordern, führt an einem hohen Zone-2-Anteil kein Weg vorbei.

Praktische Anwendung

Erfahrung aus der Praxis

Eine Beobachtung aus der Coaching- und Klinikpraxis, die sich strukturell immer wieder zeigt: Athlet:innen, die durch eine Verletzung, eine Erkrankung oder ähnliche Umstände für eine Zeit lang gezwungen sind, extrem locker zu trainieren, teils sogar als Run-Walk mit Wechsel zwischen Gehen und Laufen, profitieren davon oft nachhaltig. Der Mechanismus dahinter: In dieser erzwungenen Phase verbessern sie ihre aerobe Grundlage stark, einfach weil die Intensität konsequent niedrig bleibt und das Volumen trotzdem erhalten wird. Die Konsequenz zeigt sich häufig erst Monate später, in Form einer höheren Grundgeschwindigkeit bei gleichem Puls. Diese Beobachtung ist keine Studie, aber sie deckt sich mit den Langzeitdaten aus Walther et al. (2023): Volumen bei niedriger Intensität baut die Basis, auf der alles andere aufsetzt.

Für die konkrete Umsetzung heißt das: Etwa 80 Prozent deines Trainingsvolumens findet in Zone 2 statt, 1 bis 2 intensive Einheiten pro Woche ergänzen das. Wie viele Stunden das konkret sind, hängt von deinem verfügbaren Zeitbudget ab, das Verhältnis bleibt aber über verschiedene Umfänge hinweg gültig, ob du fünf oder fünfzehn Stunden pro Woche trainierst. Geduld ist Teil des Plans. Die Wirkung von Zone-2-Training zeigt sich über Monate, nicht über Wochen. Wenn du nach zwei oder drei Wochen keine Verbesserung siehst, ist das kein Zeichen, dass der Ansatz nicht funktioniert, sondern der erwartete Verlauf.

Häufige Fehler

Drei Fehler sehe ich in der Praxis besonders häufig. Erstens: die Zone-2-Herzfrequenz über die pauschale Formel „220 minus Lebensalter“ bestimmen. Diese Formel hat eine hohe individuelle Streuung und führt bei vielen Athlet:innen zu einer falschen Trainingszone, oft nach oben verschoben. Besser ist ein Laktattest, ein Feldtest, oder zumindest die Unterhaltungs-Fähigkeit als laufende Kontrolle: Wenn du keine ganzen Sätze mehr sprechen kannst, bist du zu schnell unterwegs, unabhängig davon, was deine Pulsuhr anzeigt. Auch hier hilft der Trainingszonen-Rechner, um deine Zone 2 einmal sauber zu bestimmen, statt sie zu schätzen.

Zweitens der Fettverbrennungs-Mythos: Zone 2 hat zwar einen höheren Anteil an Fettverbrennung am Energiemix als höhere Intensitäten, das heißt aber nicht automatisch mehr absoluten Fettverlust. Wie viel Körperfett du tatsächlich verlierst, hängt von deiner Gesamtenergiebilanz ab, nicht davon, welcher Anteil deiner Energie während einer einzelnen Einheit aus Fett stammt. Der hohe Fettanteil im Energiemix ist trainingsphysiologisch real, aber kein Freifahrtschein für die Kalorienbilanz.

Drittens: Zone 3 als Standardintensität für die meisten Einheiten nutzen, das mittlere Nirgendwo zwischen locker und hart. Diese Intensität ist weder locker genug, um sie in hohem Volumen zu absolvieren, noch hart genug, um einen spezifischen Reiz für VO2max oder Schwelle zu setzen. Das Ergebnis: viel Ermüdung, wenig Anpassung, und am Ende des Trainingsjahres weniger Volumen, als du eigentlich absolviert hättest, wenn ein Großteil davon tatsächlich in Zone 2 gelegen hätte. Wer regelmäßig prüft, wie viele seiner Einheiten tatsächlich im Zone-3-Bereich landen statt in Zone 2, findet dort meistens den größten Hebel für mehr Fortschritt, ohne überhaupt mehr Umfang zu investieren.


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Was das für dein Training konkret bedeutet

Halte etwa 80 Prozent deines Trainingsvolumens in Zone 2, auch wenn sich das Tempo dabei zu leicht anfühlt und du das Gefühl hast, mehr geben zu müssen. Platziere 1 bis 2 intensive Einheiten pro Woche strukturiert, nicht spontan nach Lust und Laune. Vermeide Zone 3 als Standardintensität, sie kostet Erholungskapazität, ohne einen klaren Trainingsreiz zu liefern. Und rechne mit einem Zeithorizont von Monaten, nicht Wochen, bevor sich die Wirkung in Wettkampfzeiten oder Schwellenleistung zeigt. Wenn du viel trainierst und trotzdem stagnierst, liegt die Antwort selten in noch mehr Härte. Sie liegt meistens in der Verteilung.

Studienübersicht

Studie Jahr Design Kernbefund
Crowley et al. 2022 Overview von 11 Systematic Reviews/Meta-Analysen Hochintensives Training bringt für VO2max-Zuwächse kleine bis moderate Vorteile gegenüber niedrigintensivem Training, der Unterschied hängt aber stark von anderen Trainingsvariablen ab.
Liu et al. 2022 Meta-Analyse, 57 Studien Bei untrainierten Personen steigern moderate und hochintensive Trainingsreize die Kapillarisierung des Skelettmuskels stärker als niedrigintensives Training, bei bereits trainierten Personen zeigte sich kein zusätzlicher Effekt.
Talsnes et al. 2022 Randomisiert-kontrollierte Studie, 51 Athlet:innen Zusätzliches Volumen an hochintensivem Training verbesserte die VO2max bei Ausdauerathlet:innen signifikant stärker als zusätzliches Volumen an niedrigintensivem Training.
Walther et al. 2023 Längsschnitt, 17 Weltklasse-Skilangläufer:innen Weltklasseathlet:innen absolvierten über 90 Prozent ihres Trainings in niedriger bis mittlerer Intensität, dieser Anteil blieb vom Junioren- bis zum Seniorenalter hoch.
Strepp et al. 2024 Randomisierte Kontrollstudie, 33 Athlet:innen Bei einer 7-tägigen HIIT-Trainingswoche verbesserte zusätzliches niedrigintensives Training die Leistung nicht zusätzlich, beide Gruppen verbesserten sich beim 5-km-Zeitfahren ähnlich stark.
Storoschuk et al. 2025 Narrative Review Die pauschale Zone-2-Empfehlung für die Allgemeinbevölkerung zur Verbesserung von Mitochondrien und Herz-Kreislauf-Fitness ist nicht ausreichend belegt, höhere Intensitäten scheinen wirksamer, besonders bei begrenztem Trainingsvolumen.
Rosenblat et al. 2025 Netzwerk-Metaanalyse (Individual Participant Data), 13 Studien, 348 Athlet:innen Zwischen polarisiertem und pyramidalem Training zeigte sich kein signifikanter Unterschied bei VO2max oder Zeitfahrleistung, wettkampforientierte Athlet:innen profitierten tendenziell mehr von polarisiertem, Freizeitathlet:innen mehr von pyramidalem Training.
Silva Oliveira et al. 2024 Systematic Review + Meta-Analyse, 17 Studien Polarisiertes Training verbesserte die VO2peak stärker als andere Verteilungen, vor allem bei kürzeren Interventionen und bereits hochtrainierten Athlet:innen, bei Zeitfahrleistung zeigte sich kein Unterschied.
Nøst et al. 2024 Systematic Review, 14 Studien Die wirksamste Verteilung lag bei ca. 75 bis 80 Prozent niedrigintensivem und 15 bis 20 Prozent hochintensivem Training, mit minimalem Anteil im Schwellenbereich.
Seiler-Viken et al. 2025 Survey, 778 Praktiker:innen Das norwegische 5-Zonen-Modell wird international breit genutzt, die prozentualen Herzfrequenz-Grenzen von Zone 2 und 3 unterscheiden sich aber je nach Sportart und Region, Radfahrer:innen wählen tendenziell die niedrigsten Grenzwerte.

Orientierungswerte Zone 2

Herzfrequenz: ca. 60 bis 75 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz. Laktat: unter 2 mmol/L. Atmung: du kannst dich in ganzen Sätzen unterhalten, gefühlte Anstrengung liegt bei 3 bis 4 von 10. Typische Dauer pro Einheit: 45 bis 120 Minuten. Diese Werte sind Orientierung, keine Studienangabe, sondern etablierte Praxis im Ausdauersport.

Verteilung beim polarisierten Training

Ein Systematic Review von Nøst, Aune und van den Tillaar (2024, 14 Studien) zeigt: die wirksamste Verteilung liegt bei ca. 75 bis 80 Prozent niedrigintensivem Training (Zone 1 bis 2), ca. 15 bis 20 Prozent hochintensivem Training (Zone 4 bis 5). Der Rest entfällt auf den Schwellenbereich Zone 3, der nur einen minimalen Anteil ausmachen sollte.

Zone-2-Herzfrequenz richtig ermitteln

Praxis-Tipp, keine Studienangabe: Die Formel 220 minus Lebensalter liegt bei vielen Menschen deutlich daneben und eignet sich nicht zur Bestimmung deiner Zone 2. Verlässlicher: ein Laktattest, ein strukturierter Feldtest, oder als einfache Kontrolle die Unterhaltungsfähigkeit in ganzen Sätzen während der Belastung. Mit unserem Trainingszonen-Rechner findest du konkrete Protokolle, mit denen du deine maximale Herzfrequenz selbst ermitteln kannst.

Philip Stapmanns

Philip ist Arzt in der Sportmedizin der Charité, DOSB C-Trainer für Triathlon und selbst begeisterter Amateur-Triathlet. Gemeinsam mit Simon hat er Enduure gegründet, um Ausdauerathlet:innen auf Ihrem Weg durch den Sport zu unterstützen. Er hat bereits diverse IRONMAN 70.3 in sub 4:30h und sub 4:15h gefinisht, an der IRONMAN 70.3 WM in Taupõ (Neuseeland) teilgenommen und die Challenge Roth in unter 10h gefinisht.

Quellen

1. Crowley E, Powell C, Carson BP, Davies RW (2022). The Effect of Exercise Training Intensity on VO2max in Healthy Adults: An Overview of Systematic Reviews and Meta-Analyses. Translational Sports Medicine. DOI: 10.1155/2022/9310710, PMID: 38655159

2. Liu Y, Christensen PM, Hellsten Y, Gliemann L (2022). Effects of Exercise Training Intensity and Duration on Skeletal Muscle Capillarization in Healthy Subjects: A Meta-analysis. Medicine and Science in Sports and Exercise. DOI: 10.1249/MSS.0000000000002955, PMID: 35522254

3. Talsnes RK, van den Tillaar R, Sandbakk Ø (2022). Effects of Increased Load of Low- Versus High-Intensity Endurance Training on Performance and Physiological Adaptations in Endurance Athletes. International Journal of Sports Physiology and Performance. DOI: 10.1123/ijspp.2021-0190, PMID: 34611057

4. Walther J, Haugen T, Solli GS, Tønnessen E, Sandbakk Ø (2023). From juniors to seniors: changes in training characteristics and aerobic power in 17 world-class cross-country skiers. Frontiers in Physiology. DOI: 10.3389/fphys.2023.1288606, PMID: 38054044

5. Strepp T, Blumkaitis JC, Haller N, Stöggl TL (2024). Adding LIT to HIIT: Is Low-Intensity Training Vital for Endurance-Trained Athletes during a 7-day HIIT Shock Microcycle? Medicine and Science in Sports and Exercise. DOI: 10.1249/MSS.0000000000003435, PMID: 38587921

6. Storoschuk KL, Moran-MacDonald A, Gibala MJ, Gurd BJ (2025). Much Ado About Zone 2: A Narrative Review Assessing the Efficacy of Zone 2 Training for Improving Mitochondrial Capacity and Cardiorespiratory Fitness in the General Population. Sports Medicine. DOI: 10.1007/s40279-025-02261-y, PMID: 40560504

7. Rosenblat MA, Watt JA, Arnold JI, et al. (2025). Which Training Intensity Distribution Intervention will Produce the Greatest Improvements in Maximal Oxygen Uptake and Time-Trial Performance in Endurance Athletes? A Systematic Review and Network Meta-analysis of Individual Participant Data. Sports Medicine. DOI: 10.1007/s40279-024-02149-3

8. Silva Oliveira P, Boppre G, Fonseca H (2024). Comparison of Polarized Versus Other Types of Endurance Training Intensity Distribution on Athletes’ Endurance Performance: A Systematic Review with Meta-analysis. Sports Medicine. DOI: 10.1007/s40279-024-02034-z

9. Nøst HL, Aune MA, van den Tillaar R (2024). The Effect of Polarized Training Intensity Distribution on Maximal Oxygen Uptake and Work Economy Among Endurance Athletes: A Systematic Review. Sports. DOI: 10.3390/sports12120326

10. Seiler-Viken SA, Mentzoni F, Seiler S, Skarli S, Losnegard T (2025). Contextualizing the Norwegian standardized intensity zone framework in an international sample of endurance practitioners. Scientific Reports. DOI: 10.1038/s41598-025-17023-z

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FAQs

Reicht Zone 2 Training allein, um schneller zu werden?

Nein. Zone 2 stärkt deine aerobe Basis, für VO2max-Zuwächse braucht es zusätzlich intensivere Reize. Crowley et al. (2022) und Talsnes et al. (2022) zeigen: höheres Volumen an hochintensivem Training brachte bei sonst gleichem Setting eine signifikant bessere VO2max-Adaptation als zusätzliches Volumen an niedrigintensivem Training.

Wie oft pro Woche sollte ich Zone 2 trainieren?

Das hängt vom Gesamtvolumen ab. Weltklasse-Ausdauerathlet:innen absolvieren laut Walther et al. (2023) über 90 Prozent ihres Trainings in niedriger bis mittlerer Intensität. Für ambitionierte Hobbyathlet:innen heißt das in der Regel mehrere Zone-2-Einheiten pro Woche, ergänzt durch 1 bis 2 intensive Einheiten.

Ist die Kritik an Zone 2 Training berechtigt?

Teilweise, aber sie zielt auf einen anderen Kontext. Storoschuk et al. (2025) kritisieren die pauschale Zone-2-Empfehlung für die Allgemeinbevölkerung zur Gesundheitsprävention, nicht die Trainingssteuerung für bereits ambitionierte Ausdauerathlet:innen mit hohem Volumen. Für Menschen mit wenig Trainingszeit sprechen sich die Autor:innen für höhere Intensität aus.

Warum ist meine Zone-2-Pace beim Laufen fast Gehen?

Häufig, weil deine aerobe Basis noch nicht ausgebaut ist oder die Herzfrequenz-Zone falsch berechnet wurde, zum Beispiel über die ungenaue Formel 220 minus Lebensalter. Mit zunehmendem Training wird deine Zone-2-Pace bei gleicher Herzfrequenz schneller, das braucht aber Monate, keine Wochen.

Verbrennt Zone 2 Training gezielt mehr Fett?

Der Anteil der Fettverbrennung am Energiemix ist bei niedriger Intensität zwar höher, das bedeutet aber nicht automatisch mehr absoluten Fettverlust. Der hängt von deiner gesamten Energiebilanz über den Tag ab, nicht von der Intensität einer einzelnen Einheit.